Paul Ruttmann berichtet von der Filippi Lido Trophy in Neapel

Endlich wieder ein Rennen!!! Oder besser gesagt der Versuch ein Rennen zu fahren...

 

Die Anreise war absolut frei von irgendwelchen Zwischenfällen, was in jüngster Vergangenheit bekanntlich ja nicht immer so war

Lediglich die Ruderbox macht den Fluggesellschaften immer wieder Kopfzerbrechen und beschert uns etwas mehr Wartezeit am Flughafen beim Check-In. 

 

Vom Flughafen ging es mit dem Mietauto nach Bacoli an die Küste Neapels. Ich dachte es sei die Amalfiküste :-) Ist sie nicht habe ich mir von einem Italiener sagen lassen. Gut so! Es ist trotzdem wunderschön dort und ich würde sagen ein Örtchen auf das sich die Italiener für ihre Verhältnisse wirklich aufpassen.

Das italienische Flair geht dadurch aber keineswegs verloren. Die Straßen sind gewohnt katastrophal und der Großteil der Häuser wäre bei uns schon vor 50 Jahren als Altbestand zum Sanieren oder Abreißen betitelt worden. Demnach könnt ihr euch vorstellen, wie unser 300 € Apartment aussah, das wir uns zu viert für drei Nächte teilten. Die üblichen Hotelpreise lagen zwischen 4.000 € und 16.000 € (sic!) für drei Nächte?!

 

Wir fanden uns am Freitag, dem Tag nach der Anreise, am Strand ein und sämtliche italienische Strandromantik wurde gleich zunichte gemacht.

Die Wellen waren hoch, der Wind wehte mit 40-50 km/h und zudem kenterten mehre Boote während des Trainings. Das Training wurde dann auch kurzerhand abgebrochen und erst nach einer Stunde wieder aufgenommen. Ich zitiere Magdalena „Magdi“ Lobnig: "Da erwartet uns ein richtig schöner Beach-Sprint!"

 

Ich hatte eigentlich vor nur im 1x zu starten um meinen "frisch operierten" Rücken zu testen. Aus dem wurde nichts, da mich Magdi Lobnig eine Woche vor dem Weltcup fragte, ob wir nicht einen 2x probieren sollten. Es ist schwer nein zu sagen, wenn man von Magdi Lobnig gefragt wird, ob man sich das vorstellen könnte und Tabea zudem noch verletzt ist. Nach kurzer Bedenkzeit machte ich mich auf nach Kärnten, um den 2x mit Magdi zu probieren. Der 2x funktionierte und meinem Rücken bekam es auch besser als von mir zuerst erwartet. Dem Versuch stand also nichts entgegen.

 

Ich fühlte mich leider richtig unfit in Neapel. Ich wurde kurz vor Abreise etwas kränklich. Zu wenig, um zuhause zu bleiben; aber ich wusste, dass es zu viel war, um dort ordentlich performen zu können. Da es aber nicht mein einziges erklärtes Ziel war schnell zu sein, sondern vielmehr darum ging, ob mein Rücken so etwas wieder mitmachen kann, stand es für mich trotzdem nicht zur Diskussion zuhause zu bleiben.

 

Im 1x fühlte ich mich vor Ort wahnsinnig unsicher - ich habe leider nicht die Möglichkeit mit dem richtigen Material (Anm.: bei dieser Veranstaltung wird nur mit vom Veranstalter gestellten Filippi Booten gerudert, ein solches Boot steht Paul nicht zum Training zur Verfügung) zu trainieren. Und eine 30 Minuten Einheit ist einfach zu wenig, um das richtige Setting vor Ort zu finden. Ich bin am Ende als 14. im Timetrial 2 ausgeschieden, was eine Endplatzierung von Rang 22 unter über 50 Männern bedeutet. Ich wusste aber bereits nach Timetrial 1, dass nix gehen wird. Frustrierend, aber was will man sich erwarten. Es ist nicht mehr möglich bei dem Niveau etwas zu kompensieren. Sei es Physis und/oder Material.

 

Im 2x sah es anders aus. Die Einstellungen und das Boot waren gleich wie das Boot, mit dem wir in Kärnten zwei Trainings machen konnten. Wir waren im Timetrial 1 richtig schnell für unser Gefühl. Konnten uns aber trotzdem nicht direkt für das 1/8 Finale qualifizieren. Im Timetrial 2 lief es dann richtig gut. Ich fühlte mich zwar körperlich schlecht, aber dennoch gelang uns ein richtig schnelles Timetrial und wir konnten mit deutlichem Abstand zu den anderen auf Platz 1 rudern.

 

Im 1/8 Finale hatten wir dann ein Freilos gegen Italien und somit kam es bereits im 1/4 Finale zum Showdown mit den, nach dem Timetrial erstplatzierten, Litauern.

Magdi hatte nur 8 Minuten Zeit, um sich bis zum 1/4 Finale im 2x von den vier Rennen im Frauen 1x direkt davor zu erholen. Ich war nicht im Vollbesitz meiner Kräfte und Magdi unweigerlich auch nicht mehr.

Leider war das Rennen von Beginn an wirklich sehr mühsam und die Litauer haben verdient gewonnen.

 

Was bleibt von diesem Wochenende:

  • Mein Rücken hält es vorsichtig ausgedrückt wieder aus.
  • Definitiv die Erkenntnis, dass das Niveau auf einem sehr hohen Level angekommen ist. Das Meldeergebnis spricht für sich.
  • Dass der 2x mit Magdi sehr wahrscheinlich nicht weiterverfolgt wird und wir einen 8.Platz unter unzähligen starken Zweiern erreicht haben.
  • Dass leider absolut zu wenig Geld vorhanden ist (siehe Bootsthema oben)...

In genau vier Wochen steht das Weltcupfinale in Donoratico/ITA am Programm. Aus heutiger Sicht werde ich dort nur im 1x starten und das hoffentlich gesünder als ich es heute bin und in Neapel war!

 

Liebe Grüße,

euer Pauli 

 

 

 

 

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